LiVe – Betreutes Jugendwohnen

Das Betreute Jugendwohnen ist für Jugendliche zwischen 15 und etwa 22 Jahren, die wegen unterschiedlichster Problemen nicht zu Hause wohnen können. Das Hauptziel ist es, den eigenen Weg ins Erwachsenenleben zu finden. Dazu braucht es Freiheit, um sich auszuprobieren, aber auch Begleitung, Schutz, Fürsorge und Kontrolle, damit keine/r untergeht.


Es gibt eine große Wohnung, in der 5 Jugendliche jeweils ein eigenes Zimmer bewohnen, den Haushalt gemeinsam organisieren und zum Teil ihre Freizeit gemeinsam verbringen.

 

Daneben gibt es einige Einzimmerwohnungen, in denen Jugendliche leben, die dies (schon) können und wollen (das heißt "BEW" = Betreutes Einzelwohnen).

Alle Jugendlichen bilden zusammen eine Gruppe, die etwas zusammenunternimmt, verreist usw.. Sie werden von den Sozialpädagogen/-innen des LiVe- Teams betreut. Wie diese Betreuung aussieht, ist genau so individuell wie die Gründe, ins betreute Wohnen zu kommen. Sie wird mit dem Jugendamt und wenn möglich mit den Eltern abgestimmt.

Jugendwohnen PLUS: Wenn die sozialpädagogische Betreuung bei LiVe nicht ausreicht zur innerfamiliären Problemlösung, können wir zusätzlich familientherapeutische Gespräche anbieten. Dies muß vorher beim Jugendamt gesondert beantragt werden.

Die Aufnahme

Die Eltern oder die Jugendlichen selbst müssen sich ans Jugendamt in ihrem Wohnbezirk wenden. Dort schildern sie das oder die Probleme. Wenn auch das Jugendamt meint, das eine räumliche Trennung der Familie weiterhelfen könnte, kann ein betreutes Jugendwohnen eine gute Lösung sowohl für die Jugendlichen und die Eltern sein.

Die Jugendlichen müssen

- ein Mindestmaß an Selbständigkeit mitbringen

- die Betreuung annehmen (z.B. einigermaßen pünktlich Termine einhalten und mit den Betreuern/-innen zusammenarbeiten)

- ohne Gewalt mit Anderen zusammen leben können

- den Alltag bewältigen, ohne regelmäßig Drogen dazu zu brauchen.

Beim Weg ins selbständige Leben, geht es natürlich immer auch um den zukünftigen Broterwerb. Wir nehmen den regelmäßigen und möglichst erfolgreichen Schulbesuch / Ausbildungsplatz sehr ernst, halten engen Kontakt mit den Lehrern / Ausbildern. Da wir wissen, daß es nur die allerwenigsten Jugendlichen ganz ohne Druck schaffen, führen wir auch Kontrollen durch. Natürlich muß vorher genau geschaut werden welchen Weg der oder die Einzelne gehen will.

NHW e.V.

Der Alltag

In der WG bewohnt jede/r ein eigenes Zimmer, das weitgehend nach den eigenen Vorstellungen eingerichtet werden kann. Haushalt und andere Pflichten werden geteilt.
In der “eigenen” Wohnung müssen diese Pflichten selbstverständlich schon alleine erledigt werden.

Die Betreuungszeit ist schwerpunktmäßig nachmittags und abends, aber es gibt auch Frühdienste, wenn eine/r es nicht schafft, sich morgens rechtzeitig zu erheben. Am Wochenende gibt es “nur” eine Telefonbereitschaft, d.h. wenn etwas Schlimmes passiert oder droht, kann der / die Betreuer/in innerhalb ca. 1 Stunde vor Ort sein.

Im BEW finden mindestens 2 ausführliche Einzelgespräche pro Woche, davon mindestens einer in der Einzelwohnung, statt und die Jugendlichen nehmen am Gruppenleben teil. Die sonstige Betreuung, z.B. das gemeinsame Kümmern um Schule / Ausbildung ist wie in der WG.

Die Familien werden regelmäßig zu Gesprächen eingeladen. Es finden Gruppenabende und alle möglichen Freizeitaktivitäten (auch Reisen) statt, auch für die Bewohner/-innen einer Einzelwohnung. In Zeiten der Krise kümmern wir uns natürlich intensiver, zwischendurch hat man viel Freiheit, mit der umzugehen ja gerade das Ziel dieser Lebensphase ist.

Wenn es soweit ist, daß Jugendliche aus der WG in eine Einzelwohnung wechseln wollen und dann noch eine Betreuung wünschen, kann der / die Jugendliche “seine / ihre” Betreuer/in normalerweise behalten. Üblicherweise suchen wir gemeinsam eine Wohnung, die zunächst vom NHW e.V. angemietet wird, die der Jugendliche dann später aber selber übernehmen kann.

Die Betreuerinnen und Betreuer

… sind pädagogische Fachkräfte, die viele Jahre Erfahrung mit Jugendlichen haben.

Sie nehmen sich erst einmal für jede/n Zeit, hören genau zu und geben Gelegenheit, Vertrauen zu finden.
Sie versuchen zu verstehen, wie es zu der jeweiligen Problemlage gekommen ist. Dann wird überlegt, was im jeweiligen Einzelfall hilfreich sein könnte und was davon getan werden soll. Dies geht natürlich nicht ohne die Mitwirkung der Jugendlichen und auch der Eltern. Meistens gibt auch das Jugendamt bereits deutliche Hinweise, wohin die Reise gehen soll. Gemeinsam wird die Hilfeplanung besprochen und festgelegt. Als Jugendliche/r kann und soll man die Hilfe mitgestalten.

Für jede/n Jugendliche sind jeweils eine Betreuerin und ein Betreuer zusammen zuständig. Insgesamt arbeiten fünf Sozialpädagogen/-innen eng miteinander zusammen.

Dietmar ist von Beruf Erzieher und beinahe seit der Gründung von NHW im Betreuten Wohnen tätig:
“Es ist schwierig, im Leben ebenso wie im Job, die richtige Balance zu finden zwischen Ernsthaftigkeit auf der einen Seite und Spaß auf der anderen. Für ein erfülltes Leben ist das zwar nicht die einzige Voraussetzung, aber zumindest doch eine gute Devise. Jedenfalls sollte beides nicht zu kurz kommen !”

Uschi kam von der Drogenarbeit zum NHW. Sie ist Diplompädagogin und schon seit 1985 dabei:
“Unsere Arbeit verändert sich natürlich immer wieder. So, wie sich die Jugendlichen verändern und wie jeder, der zu uns kommt, nicht nur sich sondern auch uns verändert. Dieses Recht, sich weiter zu entwickeln, sollten alle Menschen haben.”

Uli kam als Sozialpädagogin 1993 zum NHW:
“Der Entschluss, in eine WG zu ziehen, ist erst der Anfang eines kleinen Abenteuers. Im Gegensatz zu Gleichaltrigen hat man etwas mehr Freiheiten, die gleichzeitig auch zur Gefahr werden können.
Die Jugendlichen auf diesem Abenteuer zu begleiten, ihnen den Blick zu schärfen und das nötige Survival-Kit in die Hände zu geben für die große weite Welt, das ist eines meiner Ziele.”

Julia unterstützte den NHW schon als Jugendliche. Ihr Motto für unsere Jugendlichen: Liebe mich dann am meisten, wenn ich es am wenigsten verdiene.

 

Ziel unserer Arbeit

… ist, daß die jungen Menschen ihr Leben zum Zeitpunkt ihres Auszugs eigenverantwortlich führen und gestalten. Dies gilt insbesondere bezüglich der Schwerpunkte:

- Schule, Ausbildung, Geldverdienen

- Sozialverhalten und Beziehungen

- Alltagspraktische Fähigkeiten

- Finanzen, deren Einteilung und Planung.

(Was genau heißt denn eigentlich selbständig ?)

 

Wo sind die Wohnungen ?

Die WG liegt am Innsbrucker Platz. Also im Schnittpunkt der Bezirke Steglitz- Zehlendorf und Tempelhof- Schöneberg mit erstklassiger Nahverkehrsanbindung nach Mitte, Charlottenburg- Wilmersdorf und Neukölln. Damit ist das LiVe Betreute Jugendwohnen interessant für alle Jugendlichen, deren Familien in diesen Bezirken leben, die dort zur Schule / Ausbildung gehen oder die dort ihren Freundeskreis haben.

Die Einzelwohnungen sind schwerpunktmäßig in Steglitz- Zehlendorf und um den Innsbrucker Platz herum, so daß man die WG als Treffpunkt, zum Wäschewaschen, Internet nutzen, etc. gut erreichen kann. Diese Wohnungen befinden sich in ganz normalen Mietshäusern, das heißt, Rücksicht auf die anderen Mieter ist angesagt. Und: Hunde und Katzen sind bei den meisten Hauseigentümern nicht gestattet.

Was kostet das alles?

Die Kosten für die Betreuung belaufen sich auf etwa 1500,-€ im Monat. Dazu kommen noch Miete und Geld zum Leben für die Jugendlichen. Wenn die Hilfe beantragt und bewilligt wurde, übernimmt das Jugendamt diese Kosten.

Abhängig vom Einkommen müssen die Eltern oder die Jugendlichen aber eventuell auch einen Anteil bezahlen. Deshalb ist mit dem Antrag verbunden, daß die Familie ihre Einkünfte und Belastungen dem Jugendamt gegenüber offenbart. Dort wird dann die Höhe eine eventuellen Kostenbeteiligung nach festen Vorschriften ausgerechnet. Mit Rücksicht auf den Datenschutz und die Gleichbehandlung aller Jugendlichen in der Betreuung erfährt der NHW e.V. darüber nichts. Aber keine Bange: Es gelten die üblichen familienrechtlichen Freigrenzen, d.h. niemand wird über Gebühr zur Kasse gebeten.

Alles klar?

Wenn nicht, dann rufen Sie uns / ruf uns einfach an: 030 / 833 46 16

Für Rollstuhlfahrer/innen ist unsere WG leider nicht geeignet, weil sie im ersten Stock und keinen Fahrstuhl hat.

Sprachen, in denen wir mehr als radebrechen: Englisch, Spanisch, Französisch, Türkisch.

Zum Schluß: Das Betreuungsalphabet

Hier eine A-Z Sammlung von Themen, die die Jugendlichen und uns in der Betreuung immer wieder beschäftigen:
Aggressionen, Alkohol, ambulante Nachbetreuung, Angst, Aufräumen, Ausbildung, Ausflug, Cannabis, Behinderung, Beratung, BEW gleich Betreutes Einzelwohnen, Betreuung, Beziehung lernen, Beziehungskontinuität, Drogen, eigene Wohnung, Eltern, Essstörung, Erziehung, Familie, Familientherapie, Gefühle, Geld, Gesetz, Gesundheit, Gewalt, Gruppe, Gruppenabend, Hilfeplan, Jobcenter, Kiffen, Körper, Kochen, Konto, Krise, Krisenintervention, Lernen, Liebe, Missbrauch, Nachhilfe, Polizei, Praktikum, psychische Probleme, Reisen, Ritzen, Schule, Schuldistanz, Selbständigkeit, Selbstverletzung, Sex, Sozialverhalten, Straftaten, Sucht, Suizid, Termine, Trebe, Therapie, Trauma, Verabredungen, Verhaltensauffälligkeit, “Verselbständigung”, Zukunft, …..